Unwort des Jahres 1995 - Ditenanpassung

 

Die Ditenerhhung fr Bundestagsabgeordnete 1995 (die beinahe zu einer Anpassung des Grundgesetzes gefhrt htte) hatte in jenem Jahr viele Wochen die deutsche ffentlichkeit beschftigt. Der Zorn ber die Absichten und Beschlsse einer Bundestagsmehrheit unter Einschluss der sonst oppositionellen SPD schlug sich auch in den Einsendungen zur Unwort-Suche 1995 deutlich nieder: Die mit Abstand grte Gruppe von Zuschriften (153) hatte kaum zufllig Diten und Ditenerhhung als Unwrter vorgeschlagen.

Dennoch lag hier (wie in anderen Fllen) eine Verwechslung von Sach- und Sprachkritik vor. Die Kritik an der Sache, hier der Ditenerhhung, lt sich nicht durch eine Schelte der dafr verwendeten (sachlich angemessenen) Wrter Diten/-erhhung leisten. Eine wesentliche Absicht der Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres ist die Rge von sachlich grob unangemessenen Benennungen, also von Wrtern, die ber den wahren Charakter einer Sache hinwegtuschen (siehe Satzung).

Fr die Wahl zum Unwort des Jahres kam nur ein Begriff in Frage, der den negativen Eindruck, den die Ditenerhhung geweckt hat, durch eine verharmlosende Umschreibung herunterzuspielen versuchte. Eine solche Beschnigung (Euphemismus) liegt aber in der Koppelung von Diten mit dem scheinneutralen Wort Anpassung vor. Anpassung spiegelt (auch in vielen anderen Fllen; z.B. Gebhren-, Preis-, Tarifanpassung) eine fast naturnotwendige, unausweichliche Vernderung von finanziellen Forderungen im Hinblick auf neue Sachbedingungen vor (man vergleiche auch die Bedeutung von Anpassung von Lebewesen an vernderte Umweltbedingungen im Darwinismus!).