Unwort des Jahres 1996 - Rentnerschwemme

Diese Wortbildung, die sich auf einen einzigen Aspekt der demographischen Vernderungen, die hohe Zahl zu versorgender Rentner, konzentriert, scheint auf den ersten Blick nicht so kritikwrdig wie das bereits fr 1995 gergte Unwort Altenplage (seinerzeit auf Position 2). Dennoch erschien der Jury das mit Renterschwemme vermittelte Bild noch gefhrlicher, weil es nicht so deutlich mit dem Kampfbegriff Plage operiert, sondern ein naturwchsiges Ereignis beruft, das als solches unvermeidlich erscheint.

Gleichzeitig aber weckt das Bild von der Schwemme ein unterschwelliges Bedrohungsgefhl. Damit befindet es sich in schlechter Gesellschaft mit anderen unangemessenen Naturbildern im Umkreis sozialpolitischer Debatten. Erinnert sei u.a. an die Asylanten-flut, den Schler-berg, den Versorgungs-berg im ffentlichen Dienst (der seinerzeitige Innenminister Kanther strebte nach eigenen Worten eine Untertunnelung des Versorgungsberges an) usw. Derartige Anleihen bei Naturerscheinungen lassen grundstzlich verkennen, dass die bezeichneten Tatsachen Ergebnisse eines von Menschen zu verantwortenden Handelns, also nicht naturwchsig sind.

Das Bild von der Rentnerschwemme verdrngt auerdem im engeren Rahmen der rentenpolitischen Debatte durch seine Einseitigkeit der Situationsbeschreibung die Tatsache, dass sich die allermeisten Angehrigen der als so bedrohlich gedeuteten lteren Generationen ihren Anspruch auf eine angemessene Altersversorgung in jngeren Jahren selbst erarbeitet haben.