Presse

Der Sprecher der Jury

Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser

Medienmitteilung

Zum 16. Mal „Unwort des Jahres“ gewählt

Zum Unwort des Jahres 2006 ist der Begiff freiwillige Ausreise gewählt worden.

Freiwillige Ausreise ist nach Meinung der Unwort-Jury eins der leider zahlreichen Unwörter im Zusammenhang mit der Behandlung von Asylbewerbern (z.B. die Unwörter von 1992 bzw. 2002 aufenthaltsbeendende Maßnahmen im Grundgesetz Art. 16a und Ausreisezentrum für Abschiebehaftanstalten oder die Behördenformulierung kindgerechte Abschiebung). Freiwillige Ausreise meint in Abgrenzung zum amtlichen Begriff Abschiebung, der Zwangsmaßnahmen beinhaltet,die Konsequenz aus der „intensiven Beratung“ abgelehnter Asylbewerber in den sog. Ausreisezentren, die Bundesrepublik doch lieber von selbst wieder zu verlassen. Die Freiwilligkeit einer solchen Ausreise darf in vielen Fällen bezweifelt werden.

Die Jury hat ausdrücklich zwei weitere Unwörter gerügt:

Konsumopfer – Damit umschrieb 2006 der Modemacher Wolfgang Joop Models, die zu Lasten ihrer Gesundheit für das Schönheitsideal der Konsumgesellschaft, extrem schlanke, letztlich magere Figuren, hungern müssen.

Neiddebatte – Mit diesem Wort wurde 2006 durch den ehemaligen Bundesbankchef Ernst Welteke die ernsthafte Diskussion um die Angemessenheit von Millionenbezügen bestimmter Spitzenmanager auf die Stufe eines kleinkarierten Neides herabgewürdigt.

Die öffentliche Bekanntgabe erfolgt diesmal in Köthen/Anhalt, dem historischen Sitz der ersten deutschen Sprachgesellschaft, der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ (auch „Palmenorden“ genannt), die vor 390 Jahren gegründet worden war.

Die Wahl eines „Unworts des Jahres“ erfolgte zum 16. Mal. Begründet wurde diese sprachkritische Aktion 1991. 2006 hatten sich 2.247 Einsenderinnen und Einsender aus dem In- und Ausland mit 1.130 verschiedenen Vorschlägen beteiligt.

Der Jury für das Unwort des Jahres 2006 gehörten an die vier ständigen Mitglieder Prof. Dr. Margot Heinemann (Görlitz-Zittau), Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), der Sprecher der Jury Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frank­furt a.M.) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Düsseldorf). Die beiden (jährlich wechselnden) Vertreter der Sprachpraxis waren die Journalisten Dr. Mario Scalla (Hessischer Rundfunk) und Dr. Michael Sommer (ZDF).

19. Januar 2007 gez. Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser

Johann Wolfgang Goethe-Universität, Grüneburgplatz 1 (161), 60629 Frankfurt a.M.
Tel.: 069/798-33106 E-Mail:schlosser@lingua.uni-frankfurt.de

Unwort des Jahres

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Wechsel in der Unwort-Jury

Mit der Entscheidung über das Unwort des Jahres 2005 im Januar 2006 ist das Gründungsmitglied Prof. Dr. Rudolf Hoberg aus der Jury ausgeschieden. Über fünfzehn Jahre hat Prof. Hoberg die Entwicklung der Unwort-Aktion maßgeblich mitgeprägt und auch nach außen vertreten. Die verbliebenen ständigen Mitglieder der Jury sind ihm dafür zu großem Dank verpflichtet. – An seine Stelle ist inzwischen Prof. Dr. Martin Wengeler von der Universität Düsseldorf gerückt. Herr Wengeler hat mit zahlreichen seiner Publikationen die wissenschaftlichen Grundlagen von Sprachkritik verstärkt, was künftigen Entscheidungen über ein „Unwort des Jahres“ nur zugute kommen kann.

Die aktuelle Zusammensetzung der Jury
Ständige Mitglieder:
– Prof. Dr. Margot Heinemann, Hochschule f. Technik, Wirtschaft und Soziales Görlitz-Zittau
– Prof. Dr. Nina Janich, Technische Universität Darmstadt
– Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser, Universität Frankfurt a.M. (Sprecher der Jury)
– Prof. Dr. Martin Wengeler, Universität Düsseldorf

Kooptierte freie Juroren (2006):
– Dr. Mario Scalla, Journalist (Hess. Rundfunk), Frankfurt a.M.
– Dr. Michael Sommer, Journalist (ZDF), Mainz

p.A. Johann Wolfgang Goethe-Universität, Grüneburgplatz 1 (161), 60629 Frankfurt a.M.

Tel.: 069/798-33106 E-Mail: schlosser@lingua.uni-frankfurt.de

Unwort des Jahres