Medienmitteilung

(22.1.2002)



Zum 11. Mal "Unwort des Jahres" gewählt

 

Zum Unwort des Jahres 2001 ist die Benennung der Taliban- und El Qaeda-Terroristen als Gotteskrieger gewählt worden. Dieses Wort ist weder als Selbstbezeichnung noch als Fremdbezeichnung durch deutsche Medien hinzunehmen; denn kein Glaube an einen Gott, gleich welcher Religion, kann einen Krieg oder gar Terroranschläge rechtfertigen. Vor allem der Wortgebrauch in akustischen Medien lässt oft jede kritische Distanz zum pseudoreligiösen Anspruch dieses Unworts vermissen.

Die von der Unwort-Jury auf Platz 2 gesetzte Umschreibung der militärischen Vergeltung als Kreuzzug (Urheber US-Präsident Bush) enthält eine ähnliche pseudoreligiöse Verbrämung von kriegerischen Maßnahmen. Insbesondere weckt das Wort eine fatale historische Erinnerung an Kriegszüge im Namen des Kreuzes, die sich gegen den gesamten Islam richteten.

Auf Platz 3 setzte die Jury die extrem verharmlosende Benennung von Osama bin Laden als Topterroristen. Den verheerenden Verbrechen dieses Terroristenanführers verleiht die Ähnlichkeit des Wortes mit positiv gemeinten Benennungen wie Topmanager, Topmodell oder Topsportler eine falsche Aura.

Ferner kritisiert die Unwort-Jury den irreführenden Begriff therapeutisches Klonen, der in der aktuellen Debatte um die Grenzen der Biotechnologie immer wieder eine gewisse Rolle spielt. Selbst seriöse Verfechter der Forschung an embryonalen Stammzellen weisen den Anspruch zurück, dass sich aus ihren Klonierungsversuchen bereits in absehbarer Zeit für bestimmte Krankheiten Therapien ergeben. Die sachlich zweifelhafte Zusammenstellung von Klonen und therapeutisch soll offenbar die noch verbreiteten ethischen Bedenken gegen Manipulationen am menschlichen Erbgut überwinden helfen.

Als schlicht sachlich falsch und darum irreführend betrachtet die Jury schließlich den Begriff Gewinnwarnung, der für eine Warnung der Aktionäre vor einem geringeren Gewinn eines Unternehmens als ursprünglich erwartet verwendet wird. Hierin ist sich die Jury einig mit dem einstimmigen Votum von Börsenfachleuten, die Gewinnwarnung zum "Börsenunwort des Jahres 2001" gewählt haben.

Die Wahl eines "Unworts des Jahres" erfolgte zum 11. Mal. Begründet wurde diese sprachkritische Aktion 1991. Diesmal hatten sich 1.426 Einsenderinnen und Einsender mit 727 verschiedenen Vorschlägen beteiligt.

Der Jury für das Unwort des Jahres 2001 gehörten an die vier ständigen Mitglieder Prof. Dr. Margot Heinemann (Görlitz-Zittau), Prof. Dr. Rudolf Hoberg (Darmstadt), Dr. Nina Janich (Regensburg) und der Sprecher der Jury Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a.M.). Die beiden Vertreter der Sprachpraxis waren diesmal der Fernsehjournalist Klaus Bresser (Wiesbaden, vormals ZDF) und die Fernsehmoderatorin Maybrit Illner (Berlin).

gez. Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser